“… seid Kämpfer in der Zeit” Christoph Blumhardt – der Gottesmann und Politiker
Eine Würdigung seines Lebenswerks an seinem 100. Todestag.
Referent: Dr. Rainer Prewo, Nagold
“Gottes Liebe gilt allen Menschen, gleich welcher Nation, Religion, Konfession oder gesellschaftlicher Stellung.”
Diesem Wort fühlte sich Christoph Blumhardt zeitlebens verpflichtet. Mit dem sozialen Elend einer weitgehend rechtlosen Arbeiterklasse, die stetig zunahm, wollte und konnte er sich nicht abfinden. Das Bürgertum verachtete die besitzlosen Proletarier. Die Amtskirchen sahen der Entwicklung im Wesentlichen weitgehend tatenlos zu. Blumhardt wurde klar: “Das Seufzen der Armen muss einen Mund bekommen, und wir müssen den um ihre Menschenrechte schreienden Armen Recht geben.”
Er bekannte sich als Christ zum Sozialismus. Auf Druck der Kirchenbehörde musste er 1899 sein Amt als Pfarrer niederlegen und kandidierte bei den Landtagswahlen für die SPD. Von 1900 bis 1906 war er Mitglied des württembergischen Landtags. Obwohl ohne sozialdemokratischen “Stallgeruch”, war er in seiner Fraktion hochgeschätzt. Als Christoph Blumhardt am 2. August 1919 starb, sagte ein prominenter Sozialdemokrat an seinem Grab: “Dieser Mann gehörte wohl zu uns, aber er stand hoch über unserer Partei. Er hat versucht, Christus über den breiten Graben, der uns von den Bürgerlichen trennt, zu uns herüberzutragen, und das werden wir ihm nie vergessen.” Ein Vertreter der Kirchenbehörde war zu Blumhardts Begräbnis in Bad Boll nicht erschienen.
Der Referent stand als Oberbürgermeister der Stadt Nagold und Landtagsabgeordneter der SPD in politischer Verantwortung. Er ist Mitglied des Calwer Kreistags. Er wird aus seinem ganz persönlichen Blickwinkel das Leben und Wirken Christoph Blumhardts an dessen 100. Todestag würdigen.