Chorkonzert der Calwer Kantorei
Bei dem Chorkonzert, das unter der Leitung von Martin W. Hagner gestalten wird, stehen Chorwerke zur Passionszeit auf dem Programm, als Hauptwerk die Johannespassion von Leonhard Lechner.
Lechner ist einer der letzten Vertreter der sogenannten franko-flämischen Vokalpolyphonie, deren Zeit ungefähr zweihundert Jahre zwischen 1400 und 1600 dauerte. Deren wichtigste Vertreter sind Guillaume Dufay, Giovanni Pierluigi da Palestrina und Orlandus Lassus. Diese Phase wurde schon bald als die Blütezeit des Chorgesanges angesehen, und der Kompositionsstil vor allem in der Ausprägung Palestrinas gilt seither als vorbildhaft, so dass alle umfassend ausgebildeten Berufsmusiker von Schütz, Bach, Schubert, Reger bis in unsere Zeit diesen Stil als grundlegende Kompositionstechnik erlernt haben.
Leonhard Lechner, um 1553 in Südtirol geboren und 1606 in Stuttgart gestorben, war Lassus bedeutendster Schüler. Nachdem er mit 18 Jahren evangelisch wurde, ging er 1575 zuerst nach Nürnberg, um dann 1583 eine Kapellmeisterstelle der damals sehr leistungsfähigen Musikertruppe in Hechingen anzutreten, verließ diese Stelle aber schon ein Jahr später ohne Erlaubnis und setzte sich nach Tübingen ab. Nach einer durch Intrige fehlgeschlagenen Bewerbung in Dresden kam Lechner schließlich nach Stuttgart, wo er ab 1595 bis zu seinem Tode dann auch die Leitung der Hofkapelle übernahm.
Von Lechners Kompositionen ist nur ein kleiner Teil erhalten, dieser bestätigt aber in eindrucksvoller Weise die Qualtäten Lechners als schon zu Lebzeiten hochgeschätzter Komponist.
Die Johannespassion aus dem Jahr 1593 ist ein Werk für vierstimmigen Chor a capella, in dem der Text fortlaufend vertont wird. Lechner benutzt ein altes Psalmton-Modell, mit dem man schon im Mittelalter den Text einstimmig vorgetragen hat, und schreibt damit ein subtil gewebtes Stimmengeflecht, aus dem heraus die Musik immer wieder bestimmte Textstellen musikalisch nachzeichnet; vor allem Passagen wie Petrus’ Einsatz mit dem Schwert, die Ohrfeigen, aber auch das innige Gebet Jesu fallen hier auf.
Die Passion ist in fünf Teile gegliedert und endet mit einem abgesetzten, extra komponierten, kurzen Schlussteil.
Dazwischen singt die Kantorei Chorsätze zur Passion aus dem 20. Jahrhundert, gewissermaßen im Gegensatz zur Musik Lechners, Martin W. Hagner wird kurze Orgelstücke dazu spielen.
Der Eintritt ist frei. Um großzügige Spenden am Ausgang zur Unterstützung der Kirchenmusik an der Stadtkirche wird herzlich gebeten.